- Chris Gurk und Christian Hepp von "baumkunde.de"Geht es Ihnen nicht auch manchmal so? Sie laufen durch den Wald, sehen einen interessanten oder schönen Baum, und es will Ihnen partout nicht einfallen, was das für ein Baum sein könnte. Zu wissen, welche Natur einen umgibt, ist von unschätzbarem Wert – für uns und für die, die nach uns kommen. Viele Menschen, ob Naturliebhaber, Wanderer oder beruflich mit der Natur Beschäftigte, haben aus der sogenannten „Dendrologie“, der Lehre von den Bäumen und Gehölzen, ein Hobby oder sogar eine Leidenschaft gemacht. Der Jurist Christian Hepp und Geologe Chris Gurk, die die nichtkommerzielle Seite „Baumkunde.de“ bereits seit zehn Jahren erfolgreich betreiben, darf man sicher zu diesen Menschen zählen – ein Interview mit den beiden Waldliebhabern und „Hobby“-Dendrologen auf hohem Niveau.

Waldliebhaber.de: 2004 haben Sie gemeinsam die Homepage „Baumkunde.de“ gegründet. Wie kamen Sie auf die doch recht „verrückte“ Idee, so eine umfangreiche und sicher arbeitsintensive Seite im Netz zu starten?

 - Baumkunde.de Hepp: Wir waren mit der Qualität und dem Umfang der Fotos in den gängigen Bestimmungsbüchern nicht zufrieden. Es musste doch eine Möglichkeit geben, eine (fast) unbegrenzte Anzahl an Fotos zu den einzelnen Merkmalen in hoher Qualität sammeln und abbilden zu können. Hierfür bot sich das Medium „Online-Datenbank“ und das World-Wide-Web geradezu an. Im Laufe der Zeit haben wir dann die optimale Vorgehensweise (z.B. Blätter werden am besten gescannt, Blüten und Früchte fotografiert) herausgefunden und ersetzen mittlerweile auch Fotos aus den Anfängen der Seite, die unseren heutigen Ansprüchen nicht mehr genügen.

Gurk: Eine Datenbank war für mich als Webdesigner eine große Herausforderung. Ich wusste zwar, dass es nach oben keine Grenze gibt und wir hatten uns schon über die Dimension Gedanken gemacht. Aber dass das Projekt irgendwann so umfangreich wird, war uns in den Anfangsjahren nicht bewusst. Die Datenbank war noch viel einfacher aufgebaut und wir konzentrierten uns ausschließlich - das war naheliegend - auf heimische Gehölze.

Waldliebhaber.de: Warum haben Sie sich ausgerechnet das Thema „Bäume“ gewählt, oder anders gefragt: Wie sind Sie beide zum Baumliebhaber geworden?

Hepp: Das Interesse an Bäumen und der Natur im Allgemeinen habe ich wohl von meinem Vater, der sich aufgrund seines Berufs täglich mit Holz beschäftigte und meinem Großvater, der als Förster tätig war, „geerbt“. Ich wollte schon immer in der Lage sein, Gehölze ohne langwierige Heranziehung von Fachliteratur bestimmen zu können und diese Fähigkeit sollte eben über das Auseinanderhaltenkönnen von Eiche und Buche hinausgehen.

Gurk: Auch ich bin viel draußen und war in der Baumbestimmung sehr schlecht. Den Unterschied Fichte / Tanne kannte ich zwar, habe aber die Zusammenhänge nicht verstanden, warum es Unterscheide gibt. Ein einfaches Baumbestimmungsbuch hat am Anfang gereicht, um viele Gehölze im Umfeld zu bestimmen.

Waldliebhaber.de: Wie Sie auf Ihrer Homepage schreiben, haben Sie es sich zur Aufgabe gemacht, alle heimischen Baumarten zu katalogisieren und deren Bestimmungsmerkmale herauszuarbeiten. Gibt es für Sie dabei ein übergeordnetes Ziel (z.B. aus dem Naturschutz oder der Wissenschaft/Forschung), dem dieses Ziel dienen soll?

 - Dendrologe bei der ArbeitHepp: Wir dachten uns, dass unsere kontinuierlich wachsende Sammlung an Bild –und Textmaterial vermutlich auch andere interessieren könnte und vor allem Kindern und Menschen, die bislang nur wenig mit der Natur in Berührung gekommen sind, einen Blick für die Vielfalt der heimischen (und exotischen) Baum – und Straucharten eröffnen könnte. Viele Schüler nutzen die Informationen auf unserer Seite, um die zur Anfertigung ihres Herbariums gesammelten Blätter, Früchte etc. bestimmen und beschriften zu können. Wenn sie oder andere Interessierte dann doch nicht weiter kommen, können sie Bestimmungsanfragen mit Fotos auch in unserem Forum veröffentlichen. Wir haben im Laufe der Jahre eine Gruppe von echten „Gehölzexperten“ für unsere Seite und das Forum gewinnen können, die uns teilweise schon über Jahre hinweg die Treue halten und die meisten Bestimmungsanfragen – gefühlt – innerhalb von maximal einer halben Stunde beantworten können.

Gurk: Mein übergeordnetes Ziel ist es, das gesammelte Wissen an meine Kinder und andere Menschen weiter zu vermitteln.

Waldliebhaber.de: Wie viele Baumarten gibt es schätzungsweise bei uns, und wie viele konnten Sie davon inzwischen erfassen und katalogisieren?

Hepp: Bei der Fragen nach der Anzahl der (heimischen ?) Baumarten in Deutschland muss ich passen, in der Datenbank finden sich derzeit etwas über 700 Einträge. Wir haben allerdings noch Bildmaterial zu vielen weiteren Arten, die wir bislang auch Zeitgründen nicht haben einstellen können.

 - Baumkunde.deGurk: Das ist eine schöne Frage für unser Forum ;-) Inzwischen wachsen viele Exoten bei uns in Deutschland. Die Baumkunde-Datenbank enthält aber auch süd- und fremdländische Pflanzen aus Afrika, Asien und Australien, die normalerweise nicht in Deutschland wachsen würden.

Waldliebhaber.de: Wird Ihre Homepage inzwischen auch für wissenschaftliche Arbeiten und Forschungsaufträge genutzt?

Hepp: Wir erhalten auch Anfragen von Doktoranden und wissenschaftlichen Mitarbeitern einzelner Lehrinstitute, ob sich daraus allerdings z.B. Forschungsaufträge entwickeln, kann ich mit Gewissheit nicht sagen.

Gurk: Erst kürzlich wurde über unser Forum eine Frage für eine wissenschaftliche Arbeit gestellt, was es mit den alten Schwarzpappeln in Stuttgart-Hohenheim auf sich hat. Es hatte sich nach einer genetischen Untersuchung herausgestellt, dass es sich nicht um Schwarz-Pappeln, sondern Kanada-Pappeln (einer Kreuzung) handelt.

Waldliebhaber.de: Was glauben Sie, wird es auf Ihrer Seite jemals Stillstand geben, selbst wenn Sie so gut wie alle Baumarten erfasst haben?

Hepp: Dass wir jemals alle Baumarten (selbst die in Europa zu findenden) in der Datenbank erfasst haben werden, halte ich für eher unwahrscheinlich. Mit Blick auf die unüberschaubare Vielfalt der Gehölze weltweit ohnehin nicht. Wir haben aber hiervon abgesehen noch viele Ideen, wie wir die Seite weiter zukünftig weiter aufwerten möchten, Langeweile oder gar Stillstand wird es somit sicherlich niemals geben.

Gurk: Gerne würden wir noch mehr Zeit in das Projekt stecken. Die Zeit ist der Faktor, der uns an der Kreativität und Weiterentwicklung hindert. Nach wie vor ist diese Website ein Hobbyprojekt von uns und wir verdienen keinerlei Geld. Das wollen wir auch nicht, daher wird auch keine Werbung geschaltet. Das würde gegen unsere ideologischen Vorstellungen sprechen.

 - St. Georgen/RamsauWaldliebhaber.de: Mit einigen Forenmitgliedern haben Sie, wie Sie schreiben, nach etlichen Monaten oder sogar Jahren einen weiteren Teilbereich Ihrer Website den alten und bemerkenswerten Bäumen gewidmet. Wie waren die bisherigen Ergebnisse, und wie war die Resonanz auf das neue Angebot?

Gurk: Dieser Bereich ist momentan am Entstehen. Eine Auswertung habe ich noch nicht vorliegen. Die Resonanz ist allerdings sehr positiv und wir haben auch schon sehr viele Editoren gewonnen, die die Eingaben moderieren und mit Bildern versehen. Das Altbaumregister wächst jeden Tag ein bisschen mehr. In diesem Sinne vielen Dank an Gaby, die uns eine Datengrundlage von über 3000 Baumveteranen zur Verfügung gestellt hat und an Wolfgang alias Baumläufer, der hier den Hauptteil der Moderationsarbeit leistet und selbst ein wirklicher Kenner auf dem Gebiet ist.

Waldliebhaber.de: Planen Sie weitere neue Rubriken oder Erweiterungen für die Zukunft?

Hepp: Ja, wir haben noch einige Ideen, wie wir die Seite weiter ausbauen und aufwerten können.

Gurk: Das Forum wird demnächst überarbeitet, im Baumregister wird es Karten geben, die Website wird für mobile Nutzung optimiert, es wird mehr Baumarten und Bilder geben, … doch wir haben Zeit für die Umsetzung dieser Baustellen.

Wadlliebhaber.de: Wer sind die hauptsächlichen Nutzer und Forenmitglieder Ihrer Seite, können Sie da vielleicht ein paar Beispiele nennen?

Hepp: Was die Nutzer betrifft, so sind das – auch ausweislich unseres Gästebuchs – Schüler, Studenten, Baumschulen, Garten– und Landschaftsbetriebe oder eben Privatpersonen, die sich aus verschiedensten Gründen für Gehölze interessieren. Im Forum findet sich eine Mischung aus „Profis“, d.h. solchen die beruflich mit Gehölzen und deren Bestimmung zu tun haben, aber auch interessierten und oftmals zu Halbprofis herangewachsenen Laien, die die Dendrologie zu ihrem Hobby erklärt haben.

Waldliebhaber.de: Würden Sie sagen, dass das Interesse an Ihrer Seite altersübergreifend ist, oder dominiert eine bestimmte Altersklasse beim Thema „Bäume“?

Hepp: Aus meiner Sicht vom Schüler bis zum interessierten Rentner.

Waldliebhaber: Eine abschließende Frage, was kann derjenige tun, der Ihr Projekt auch in Zukunft unterstützen will?

Hepp: Er/sie kann sich im Forum beteiligen, uns helfen, die Datenbank durch Informationen und Bildmaterial zu Baumveteranen/bemerkenswerte Bäumen weiter zu vergrößern und natürlich freuen wir uns auch über eine Spende auf unser baumkunde.de Konto, welche wir zur Weiterentwicklung der Seite nutzen.

Gurk: Ich freue mich sehr über motivierende Beiträge im Forum oder per E-Mail, nicht nur für uns, sondern auch unsere Moderatoren, die die laufende Arbeit machen. Ohne unsere Community wäre baumkunde.de niemals so erfolgreich geworden.

Waldliebhaber.de: Herr Gurk/Hepp, wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg mit Ihrer Seite „Baumkunde.de“.

 

Das Gespräch führte Gudrun Opladen von Waldliebhaber.de