WURZELTRAPP/Axel TrappVon seinen Freunden wird er der „Wurzeltrapp“ genannt, und diesen Namen hat er auch zum Programm gemacht: Axel Trapp aus dem hessischen Nidderau bietet unter dem programmatischen Titel "Wurzeltrapp :: Wildnisschule :: Verbindungen zur Natur" Kurse an, die auf seinem „Kamana-Studium“ an der Wilderness Awareness School (Duval/USA) beruhen – hier wird eine Lehrmethode vermittelt, die dem Einzelnen hilft, seine verkümmerte oder verloren gegangene Verbindung zur Natur wieder zu finden und professionell auszubauen – so weit, dass man danach in der Lage ist, sein Wissen an andere weiterzugeben. An dieses "Erdwissen", das auch der Name einer weiteren Angebotsseite und eines Blogs ist, haben sich bereits viele neue begeisterte Weggefährten angeschlossen. Wie das alles kam und wie er selbst vom „kleinen Waldliebhaber“ zum „großen Waldliebhaber“ wurde, verrät uns Axel Trapp im Interview.

Waldliebhaber.de: Sie haben Ihre Liebe zur Natur und zum Wald zu Ihrem Lebensthema und Beruf gemacht. Wer oder was hat aus Ihnen so einen begeisterten Naturfreund und Waldliebhaber gemacht?

Trapp: Der Vater war „schuld“. Er wollte Förster werden, aber das Geld hat nicht für ein Studium gereicht. So hat er seine Passion persönlich ausgelebt, ist mit seiner Familie, d.h. mit meiner Mutter und ihren drei Söhnen immer wieder losgezogen in den Wald. Er hat uns ein Wochenendhäuschen aus Holz gebaut, kurz unterhalb vom Hoherodskopf, dem zweithöchsten Gipfel im Vogelsberg. Von dort aus konnten wir in jeder freien Minute und vor allem am Wochenende und in den Ferien direkt in den Wald. Bis ich ungefähr 13 Jahre alt war, haben mich die dortigen Aufenthalte stark geprägt - wir haben Baumhäuser gebaut, Erdhöhlen gegraben, Wild und Vögel beobachtet, versucht, Vogelstimmen zu bestimmen, Kräuter gesammelt und Essen daraus zubereitet – meine Mutter und auch ich praktizieren das bis heute.

Waldliebhaber.de: Was für ein Wald war das damals in ihrer Kindheit?

Trapp: Der dortige Wald im Vogelsberg war früher noch ziemlich wild und unberührt, eine wundervolle Gegend - ein abwechslungsreicher Mischwald, vulkanisch bedingt gibt es schroffe Klippen, Hochmoor, Heidelandschaften und sogar einen schönen alten Buchenwald. Wir bekamen Schwarzstörche zu sehen, seltene Greifvögel, auch große Kolkraben.

Waldliebhaber.de: Gab es bei den vielen Waldexpeditionen auch Begegnungen oder eine Freundschaft mit dem zuständigen Förster?

Trapp: (lacht) Eher weniger, aber wir haben für ihn immer mal wieder Maulwürfe gefangen. Dafür gab er uns dann ein paar Groschen und wir konnten uns ein schönes Eis kaufen.

Waldliebhaber.de: Was ist aus ihrer Waldliebe geworden, als Sie älter wurden?

WURZELTRAPP/Axel TrappTrapp: Trotz Schule und Informatik-Studium bin ich immer viel draußen gewesen. Ich habe in der Zeit auch viel Musik gemacht und bin nebenher zwischen den Auftritten mit meinen Freunden oft raus in den Wald zum Entspannen. Im Berufsleben wurde es dann enger mit der Freizeit, ich gehörte zu den ersten, die eine Neue Medien Agentur in Deutschland gegründet haben, hatte zeitweise über 100 Mitarbeiter. Diese intensiven Arbeitsjahre haben mich am Ende aber ausgebrannt und krank gemacht, es passierte das, was man heute als „Burnout“ bezeichnet mit mir. Ich zog die Notbremse und besann mich wieder auf meine alte Leidenschaft Natur. Durch Zufall und Glück traf ich auf den Gründer einer Naturschule in Amerika, Jon Young. Er erzählte mir von der Wilderness Awareness School in Duval (USA), die ein ganz besonderes Naturstudium, das „Kamana-Studium“ anbietet. Kurzentschlossen begann ich mit dem Studium. Viereinhalb Jahre ging ich diesen wunderbaren Weg.

Waldliebhaber.de: Um was geht es bei dem Kamana-Studium genau?

Trapp: Zunächst ist das Studium sehr praxisorientiert und nutzt Methoden, wie Jäger- und Sammler-Völker heute noch ihr Wissen an die eigenen Kinder weitergeben. Du lernst Tiere, Pflanzen, Bäume, Vögel und ihre Sprache sehr genau kennen. Du lernst mit der Zeit, sie mit allen Sinnen zu erfahren – das ist das, wo für mich dann immer wieder Wunder passieren. Der Clou ist vor allem, wie du das alles lernst, und wie du Theorie und Praxis damit wunderbar verknüpfst: Du bekommst Fragen und Aufgaben gestellt, die du dann selbst lösen musst. Hast du sie gelöst, bekommst du wieder neue Aufgaben , die du lösen musst, usw., bis man einen guten Grundstock an praktisch-theoretischem Wissen besitzt und seine Sinne extrem geschärft hat. Eine wunderbare Lehrmethode, die man übrigens „Coyote Teaching“ nennt. Auf genau diese Art und Weise gebe ich heute mein Natur Wissen in Seminaren und vor allem in meinem intensiven Heimkurs an Teilnehmer weiter.

Waldliebhaber.de: So kam es wahrscheinlich auch zur Gründung Ihrer Wildnisschule „Wurzeltrapp“?

WURZELTRAPP/Axel TrappTrapp: Genau. Schon während des Studiums habe ich versucht, mein Wissen weiterzugeben, so begeistert war und bin ich bis heute davon. Ich habe angefangen, für die beiden Familienmagazine Rappel-Post und Mainkind die Naturkolumnen zu schreiben und gründete 2006 dann meine „Wurzeltrapp :: Wildnisschule“. Es ist eine Wildnisschule, in der ich als Coach und Mentor Menschen helfe, ihre oft verloren gegangene oder verkümmerte Verbindung zur Natur, zu sich selbst und zu ihren Mitmenschen wieder zu finden. Diese Verbindung ist für uns existentiell: wir brauchen sie, um in unserer hektischen Welt die Ruhe und innere Kraft zu bewahren. Bei Kindern geht es vor allem darum, diese Verbindung überhaupt erst einmal aufzubauen. Deshalb biete ich auch nicht nur freie Naturkurse für Jung und alt an, sondern auch spezielle Waldtage und Ökologieprojekte für Kitas und Schulen – dabei arbeite ich eng mit den Lehrern und Erziehern zusammen, die ich für diese Tage coache und begleite. Es fehlen einfach hier im Rhein-Main Gebiet Wildnispädagogen die solche Angebote stricken können. Aus diesem Grund biete ich 2015 in Zusammenarbeit mit einer Volkshochschule die berufsbegleitende Fortbildung Wildnispädagogik an. Momentan bin ich übrigens auch auf der Suche nach weiteren Sponsoren für Natur- und Erlebnistage für die Kitas und Schulen hier im Rhein-Main-Gebiet. Finanziell und personell können viele Kitas und Schulen so etwas alleine leider nicht stemmen.

Waldliebhaber.de: In gewisser Weise geht es in Ihrer Wurzeltrapp Wildnisschule also um ein „back to the roots“ - das passt auch zu Ihrem programmatischen Namen „Wurzeltrapp“ - wie kommt eigentlich die Wurzel in Ihren Namen, er erinnert ein bisschen an den bayerischen Ausdruck „Wurzelsepp“?

Trapp: (lacht) Den Namen habe ich von einer weniger lustigen Geschichte her bekommen. Ich habe einmal eine infizierte Zecke übersehen. Die hat mir eine satte Borelliose als Geschenk da gelassen. Daraufhin habe ich alles probiert, mich mit verschiedensten Antibiotika behandeln lassen, aber nichts half, die Symptome verschwanden nicht. So fing ich selber an zu experimentieren, und heilte mich mit einer Medizin aus pflanzlichen Wurzeln und mit anderen Verfahren nach und nach selbst – das mache ich auch bei vielen anderen „Wehwehchen“ so. Durch diese Selbstbehandlung mit Wurzeln nannten meine Freunde mich dann „Wurzeltrapp“, mein neuer Name, auch für meine neues Berufsfeld der Wildnispädagogik war geboren.

Waldliebhaber.de: Zusammen mit Simone Roters betreiben Sie auch einen sehr informativen Blog namens „erdwissen.de“ - wie hängt das mit Ihrem Wurzeltrapp zusammen?

Trapp: Anfangs war der Blog „erdwissen.de“ ein reiner Foto Blog, in dem ich wöchentlich mit den Lesern meine Erlebnisse und Beobachtungen in der Natur teilte. Zu der Zeit absolvierte Simone Roters mit Ihrem Sohn meinen „Heimkurs“, der wie gesagt viel mit Mentoring und Coyote Teaching Elementen läuft. So entstand eine wundervolle Freundschaft. Und am Ende ihres Heimstudiums, gründeten Simone Roters und ich mit anderen Begeisterten den gemeinnützigen Verein Erdwissen e.V.. Wir wollten einfach Naturverbindungen, Naturkunde und altes Handwerk für jeden anbieten. Auf eine Art gemäß meinem Lebensmotto „Das Wissen liegt im Tun“. So wurde mit der Vereinsgründung 2008 aus dem Foto Blog das Sprachrohr des Vereins. In diesem Jahr habe ich übrigens die Jägerprüfung gemacht, um eigene Erfahrungen auch auf diesem Gebiet zu haben.

Waldliebhaber.de: Was bietet denn der Verein Erdwissen für Interessierte an?

Trapp: Wir veröffentlichen im Blog aktuelle Beiträge zu naturkundlichen Themen und Erlebnissen. Aber auch im echten Leben tun wir was. Wir bieten eigene Kurse und Gast Seminare an. Jeden ersten Samstag im Monat gibt es einen Natur Erlebnis Kurs um 1400h in Offenbach am Schneckenberg. Zusätzlich bieten wir Wochenendkurse an wechselnden Orten an. Dabei arbeiten wir auch oft mit externen Kursleitern zusammen, die besondere Kurse etwa zum Thema Flint Knapping, Outdoor Erste Hilfe oder Bogenbauen anbieten. Viele Kinder wissen heute oft nicht einmal mehr, dass es draußen mindestens genauso spannende Dinge zu erleben gibt wie auf ihren Handys und Smartphones. Doch das alles macht keinen Sinn, wenn die Großen dabei nicht auch mitspielen und Vorbild sind. Wir versuchen deshalb, die Generationen durch gemeinsame Naturerlebnisse und Sinneserfahrungen zu verbinden und Gemeinschaft zu schaffen – dabei nutzen wir modernes Wissen ebenso wie alte Handwerks- und Kulturtechniken in und mit der Natur.

Waldliebhaber.de: Herr Trapp, wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg für Ihre schöne Arbeit.

Trapp: Herzlichen Dank!

 

Das Gespräch führte Gudrun Opladen von Waldliebhaber.de