- Diplom-Geoökologe Ralf Stallforth, Mission: Natur erlebenPilze suchen, Joggen oder einfach nur die gute Luft und die Schönheit der Natur genießen – Gründe für einen Ausflug in unsere Wälder gibt es genug. Fragt man den Augsburger Diplom-Geoökologen Ralf Stallforth, dann fallen ihm ganz spontan noch ganz viele weitere gute Gründe ein für eine Fahrt ins Grüne. Der Wald ist für den Vater von zwei Söhnen sowohl Arbeitsplatz als auch Inspirationsquelle. Vor 4 Jahren hat der 41-Jährige die „Naturdings-Agentur“ gegründet – ein Natur-Erlebnis-Unternehmen, das mit dem „Qualitätssiegel Umweltbildung Bayern“ ausgezeichnet wurde. Im Angebot hat die Agentur abenteuerliche Begegnungen mit der Natur und mit den unterschiedlichsten Waldwesen. Trolle,  Elfen oder Baumgeister, sie alle spielen bei den „Wald-Piraten“ eine wichtige Rolle. Man kann aber auch ein „Agenten-Training“ absolvieren, an den "Naturdings-Tipi-Tagen" teilnehmen oder sich in der „Wald- und Wiesen-Werkstatt“ austoben. Das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem bunten Dienstleistungs-Spektrum der Naturdings-Agentur.

Waldliebhaber.de: Sie haben vor 4 Jahren die "Naturdings-Agentur" gegründet. Wenn Sie sich zurückerinnern: Wann und wie ist denn die Idee dazu entstanden?
 
 - Ralf Stallforth: "Natur fasziniert durch ihre Details und Zusammenhänge"Ralf Stallforth: Grundsätzlich bastle und baue ich für mein Leben gern. Auch koche ich sehr gerne. Inzwischen gehören Werkstoffe, Nahrungsmittel und Natur für mich zusammen – denn alles kommt ja aus der Natur. Und die Natur selbst fasziniert durch Ihre Details und Zusammenhänge. Diese Begeisterung für Dinge, die die Natur anbietet steckt meiner Meinung nach in jedem von uns. Deshalb sind es diese Dinge, die ich gerne weiter gebe. Schon als Kind habe ich gerne stundenlang mit irgendwelchen Dingen rumgebastelt, die ich in der Natur gefunden habe, z.B. Blätter, Zweige, Hagebutten, die ich zu Männchen verarbeitet habe. Auch haben es mir Unterstände und Laubhütten sehr angetan. Ich erinnere mich an ein Buch, „Überleben in der Wildnis“, das ich damals verschlungen habe. Natürlich war auch der Umgang mit dem Schnitzmesser für mich sehr reizvoll. Natürlich war ich damals bei den Pfadfindern – dort habe ich einiges über Achtsamkeit der Natur und auch den Mitmenschen gegenüber gelernt (und gebastelt, geschnitzt, mich für den Umweltschutz engagiert und in der Wildnis überlebt..., hihi).


Nach Beendigung der Schule war es an der Zeit, „vernünftig“ und „erwachsen“ zu werden, also zu studieren und einen Beruf zu haben. Umweltschutz, da wollte ich weiter mitmischen. Also habe ich angefangen, (Umwelt-) Chemie zu studieren. Da ich schnell feststellte, dass ich da nur die ganze Zeit im Labor arbeite, habe ich dann auf Geoökologie umgesattelt. Das lag mir außerdem, weil es die Umwelt als Ganzes betrachtet. Ich denke und arbeite gerne ganzheitlich. Nach dem Studium bin ich dann in die Umweltbildung gerutscht, zunächst einmal über die ein- oder andere Schule, für die ich Naturführungen gemacht habe. Dann habe ich an einer Handreichung des Umweltministeriums über das Thema Boden mitgearbeitet. Und, und, und, schließlich hat sich nach verschiedenen Tätigkeiten (u.a. Mitarbeiter in der Fachabteilung des Bund Naturschutz oder Lehrkraft für Natur&Technik-Biologie-Chemie) herausgestellt, dass die Naturdings-Agentur meinen Fähigkeiten, Interessen und Neigungen am besten entspricht.
 - In Wald und Wiese gibt es viel zu entdecken. Hier: Ein Grashüpfer in der BecherlupeDurch meine Arbeit kann ich jetzt als Erwachsener das weiter vertiefen und ausleben, was mich schon als Kind fasziniert hat. Dafür bin ich sehr dankbar, denn oft bedeutet „Erwachsen sein“, dass man für solche Dinge gar keine Zeit mehr hat, oder schlimmer, dass man sich nicht mehr traut, weil man zu alt dafür ist. Hinzu kommt, dass ich auch das, was ich als Naturwissenschaftler kann, einbringen kann. Das kommt vor allem in den anderen Tätigkeitsbereichen der Naturdings-Agentur zum Tragen: z.B. bei der konzeptionellen  bzw. fachlichen Arbeit, bei der der Schwerpunkt auf umwelt- und naturschutzfachlichen Inhalten liegt. Wie z.B. bei der Entwicklung  von Geocaching-Touren.

Waldliebhaber.de: Was ist eigentlich ein "Naturdings"?

 - Ein besonderes "Naturdings" ist im Wald nicht schwer zu findenRalf Stallforth: Bei einem Naturdings kann sich um etwas handeln, das man anfassen kann, aber auch etwas, das man spürt - oder beides gleichzeitig. "Naturdings" steht für etwas Unbekanntes oder bisher wenig oder nicht Beachtetes in/aus Natur & Umwelt, das - wenn man sich darauf einlässt – neugierig macht: Was ist dieses „Dings“? Welche Funktion erfüllt es? Was kann ich damit machen? Wozu kann ich es nutzen?

Waldliebhaber.de: Bei ihren Ausflügen in den Wald können die Kinder Waldwesen, wie z.B. Trollen, Waldelfen oder Waldschraten begegnen: Wäre doch schön, wenn es die tatsächlich gäbe, oder?

 - Waldwesen: Gibt es sie tatsächlich nur im Märchen?Ralf Stallforth: Nun, das kommt immer auf das Waldwesen an – manchmal gibt es schon bei den jüngeren Teilnehmer entsetzte Kulleraugen, wenn ich erzähle, wen wir versuchen zu treffen. Da muss ich dann schon mal schlichten: Klar, das weiß doch jeder, dass die Waldwesen Märchen und Fabeln entspringen, oder  höchstens vor langer, langer Zeit existieren – aber unter uns, wer weiß, ob es sie nicht doch gibt?

Waldliebhaber.de: Sie bieten diese Naturerlebnisse ja auch für Unternehmen, also für Erwachsene an: Was basteln denn Erwachsene gerne?

Ralf Stallforth: Im Bezug auf Basteleien sind die Erwachsene recht offen – ich denke auch hier geht es vor allem darum, mal etwas zu tun, für das man sonst keine Zeit hat.
Wie bei den Kindern auch zeige ich Techniken und Möglichkeiten auf; was man dann speziell damit macht, soll jeder selbst entscheiden. Gut, in der Regel mache ich auch Vorschläge aus meinem Repertoire oder zeige das, was mich zur Zeit selbst begeistert. Das steckt meist an: “Ach, sowas wollte ich schon immer mal machen“, bekomme ich sehr oft zu hören. Wir basteln Traumfänger, flechten Zirbeln oder Bockshörner aus Weidenzweigen, Schnitzen wie die Phantasie uns leitet oder stellen Löffel oder Schǘsseln mittels Glutbrennen her. Und das Angebot für Erwachsene besteht ja nicht nur aus Basteln. Auch ein archaisches Kochen auf dem Feuer in der Gemeinschaft im Tipi oder spielerische Aktivitäten z.B. bei Waldführungen bestechen glaube ich einerseits als gesellschaftliches Event, andererseits dadurch, dass es sich um etwas nicht Alltägliches handelt.
 - Waldschrat: Einfach aus Lehm formen und auf die Rinde drücken Alles in Allem geht es darum, in entspannter Atmosphäre und Naturambiente selbst zu kreieren. Und um Geselligkeit und Austausch außerhalb des Alltags. Das alles zusammen schafft Raum zur Erholung und zum Kräfte tanken. Gleichzeitig inspiriert es jeden Einzelnen, sich mehr mit der Natur zu befassen. Und Letzteres – so meine Intention – schafft dann auch das entsprechende Bewusstsein und eine Handlungsbereitschaft für einen sorgsamen Umgang mit der Natur.

Waldliebhaber.de: Gibt es bestimmte Angebote, die den Kindern besonders viel Spaß machen?

 - WaldsinneRalf Stallforth: Da sind die Kinder völlig verschieden. Die einen bevorzugen Sachen, wie Kochen oder „stille“ Basteleien, wie Perlenketten, Medizinbeutel nähen oder Flechtereien. Andere sind eher handwerklich interessiert: alles Mögliche Schnitzen, Bogen bauen, oder auch Größeres, wie Unterstände und Laubhütten. Wiederum andere wollen sich bewegen, also sind Bewegungsspiele besonders beliebt. Wenn wir die für die Basteleien benötigten Materialien z.B. im Wald suchen, finden und sammeln gehen – das ist sehr beliebt. Dabei Pflanzen und insbesondere Tiere genauer betrachten, das mögen alle gerne.

Waldliebhaber.de:  Was macht die spielerische Beschäftigung mit Wald und Natur so spannend für Kinder?

 - Marionette aus NaturmaterialienRalf Stallforth: Auch die Kinder haben eben jenen Alltag, dem sie gerne entfliehen – wie die Erwachsenen. Kurz: Spielen und spielerisches Lernen ist nicht Schule und Leistungsdruck. Der Wald bietet eine andere Kulisse mit vielen Dingen, die es auch immer wieder neu zu entdecken gibt. Bemerkenswert finde ich die Gemeinsamkeit in den Bedürfnissen der Kinder und Erwachsenen. So laufen alle Aktivitäten am Ende auf eines heraus: die Kinder möchten selbst etwas machen oder erforschen und sich dann aber in der Gemeinschaft austauschen und mitteilen.


Waldliebhaber.de: Was verbirgt sich hinter dem Stichwort „Bildung für nachhaltige Entwicklung“

Ralf Stallforth: Bildung für nachhaltige Entwicklung zielt darauf ab, Veränderungen anzustoßen und drängende globale Probleme wie den Raubbau an der Natur oder die ungleiche Verteilung von Reichtum anzugehen. Damit die Erde für unsere Nachkommen weiter lebenswert ist, müssen wir jetzt lernen, nachhaltig zu denken und zu handeln. Dazu muss sich jeder bewusst werden: Mein Handeln hat Konsequenzen. Nicht nur für mich und mein Umfeld, sondern auch für andere. Ich kann etwas dazu beitragen, um die Welt ein Stück zu verbessern. Bildung für nachhaltige Entwicklung vermittelt Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen nachhaltiges Denken und Handeln. Dadurch werden die Menschen in die Lage versetzt, Entscheidungen für die Zukunft zu treffen und gleichzeitig abzuschätzen, wie sich das eigene Handeln auf künftige Generationen oder das Leben in anderen Regionen der Welt auswirkt. Übrigens, der Begriff Nachhaltigkeit kommt ja auch aus dem Wald – genauer aus der Forstwirtschaft. Bei der Bildung für nachhaltige Entwicklung geht es um globale Zusammenhänge und Herausforderungen wie den Klimawandel oder globale Gerechtigkeit sowie die komplexen wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Ursachen dieser Probleme.

Waldliebhaber.de: Die Naturdings-Agentur ist Träger des Qualitätssiegels Umweltbildung Bayern. Welche Kriterien muss man für dieses Siegel erfüllen?

 - "Bildung für nachhaltige Entwicklung": Entscheidungen sollen im Hinblick auf die Zukunft getroffen werdenRalf Stallforth: Oh, das sind so einige. Grundsätzlich muss man die Prinzipien der Bildung für nachhaltige Entwicklung in einem fundierten Konzept verankert haben. Das gilt für Inhalte, die vermittelt werden, aber auch für das „Drumherum“, z.B. im Büro und vor allem für das Umweltbildungsangebot. Daneben muss man die entsprechende Qualifikation nachweisen und sich kontinuierlich weiterbilden. Auch die aktive Mitwirkung in Umweltbildungs-Netzwerken gehört dazu. Und man evaluiert seine erbrachten Leistungen.

Waldliebhaber.de: Vielen Dank für das ausführliche Gespräch und weiterhin viel Spaß und Erfolg mit ihrer "Naturdings-Agentur"!

 

Das Gespräch führte Lydia Faßnacht von Waldliebhaber.de

 

Weitere Informationen über Ralf Stallforth und die "Naturdings-Agentur" finden Sie unter:

http://www.naturdings-agentur.de/