Baumhausherberge BayernEin Baumhaus zu haben, ist das Größte. Jedenfalls für die kleinen Abenteurer unter uns. Wer nie in einem Baumhaus spielen oder sogar schlafen konnte, trägt den Traum manchmal noch lange mit sich herum. Seit 2007 können sich auch bei uns in Deutschland Erwachsene ihren Traum vom Häuschen im Grünen erfüllen: Auf der Kulturinsel Einsiedel bei Görlitz legten die Sachsen den Grundstein für einen Baumhaus-Bauboom, der offenbar noch lange nicht zu Ende ist. Über den erstaunlichen Erfolg der Baumhaushotels sprachen wir mit Jano Soós-Schupfner, dem Gründer der ersten Baumhausherberge Bayerns.

Wer das Anwesen bei Pöttmes erreicht hat, geht zunächst an dem einladenden Wohnhaus der Besitzer und einem schönen Gemüse- und Kräutergarten vorbei. Weiter geht es über eine mit urigen Bäumen bewachsene Wiese direkt auf die Herberge zu. Hier stehen die Holzhäuser der Herbergseltern Jano Soós-Schupfner und Judith Schupfner, die auf einer Pfahlkonstruktion ruhen und alle miteinander verbunden sind: Ulmenhaus, Vogelnest, Märchenhaus und Zauberhaus werden die Rückzugsorte mitten in der Natur liebevoll genannt. Und obwohl sie so versteckt liegen, findet gerade ein wahrer Run auf sie statt. Woher kommt die Begeisterung für die ungewöhnlichen Waldhäuschen? Wir fragten beim Herbergsvater einmal nach.

Waldliebhaber.de: Wie kamen Sie auf die Idee, hier in Bayern das erste Baumhaushotel zu eröffnen?

Baumhausherberge Bayern - Jano Soós-SchupfnerSoós-Schupfner: Wir nennen unsere Unterkünfte bewusst nicht „Hotel“, sondern Herberge: sie sind einfach und doch anspruchsvoll, denn jede Unterkunft ist schon für sich etwas Besonderes. Ihre Entstehung war, wenn Sie so wollen, Zufall. Mein Vater hatte den Grund hier früher zur Bewirtschaftung als Siedlerstelle bekommen, und ich habe die Landwirtschaft weiter fortgeführt. Doch irgendwann haben wir nach Alternativen gesucht und sind auf die Idee mit der Herberge gekommen – schon als Kind hatte ich übrigens hier im Wald ein echtes Baumhaus für mich. Kopiert haben wir nichts von anderen, unsere Häuser haben ihren eigenen, unverwechselbaren Stil. Als gelernte Schreiner haben meine Frau und ich alles in Eigenregie gebaut, nur bei der Statik mussten wir uns zum Teil Hilfe von außen holen.

Waldliebhaber.de: War die Baumhausherberge von Anfang an so gut belegt wie heute?

Soós-Schupfner: Mit den ersten Medienberichten kamen auch vermehrte Anfragen auf uns zu. Als aber 2010 der Schmidt Max vom Bayerischen Rundfunk bei uns war, entwickelte sich ein wahrer Ansturm, der bis heute anhält. Unsere Herberge hat bereits Schwierigkeiten, noch neue Termine für das nächste Jahr zu vergeben.

Waldliebhaber.de: Wie erklären Sie sich diesen Erfolg, den ja auch andere Anbieter von Baumhausunterkünften und -hotels haben?

Baumhausherberge Bayern - UlmenhausSoós-Schupfner: Wo man Urlaub macht, ist teilweise auch von Moden abhängig. Irgendwann war der Urlaub im eigenen Land nicht mehr verpönt, sondern geradezu angesagt. Ich denke, hier bei uns kommen die Leute einfach einmal runter von ihrem Alltagsstress. Ohne Ablenkung durch Fernsehen, Computer und andere Dinge können die Bewohner hier einmal abschalten und neue Kraft durch die Natur schöpfen - sie hören die natürlichen Geräusche direkt von ihrem Baumhaus aus, sie können die Natur riechen, sehen, mit allen Sinnen erfahren.

Waldliebhaber.de: Gibt es auch negative Erfahrungen, die Besucher von einem erneuten Besuch abschrecken, wie z.B Mücken oder die angesprochenen Waldgeräusche?

Soós-Schupfner: Jeder, der zu uns kommt, muss natürlich auch mit der ein oder anderen Mücke rechnen und natürlich auch mit Waldgeräuschen. Die überwältigende Mehrheit, die zu uns kommt, kommt bewusst zu uns und kann auch etwas damit anfangen. Ich will auch niemanden hierher locken, der nicht hierher passt – wer will, findet hier von ganz alleine, was er sucht.

Waldliebhaber.de: Kommen viele Besucher nach ihrem ersten Besuch wieder?

Soós-Schupfner: (lacht) Ja, viele, wir nennen sie unsere „Wiederholungstäter“: sie entscheiden sich ja wie gesagt bewusst für uns, und kommen immer wieder gerne zurück.

Waldliebhaber.de: Gibt es Unterschiede zwischen den Erlebnissen von Erwachsenen und Kindern?

Baumhausherberge BayernSoós-Schupfner: Das Erstaunliche ist, dass die eigentlichen Liebhaber von Baumhäusern, die Kinder, bei uns eher Mangelware sind. Es kommen zwar auch Familien, die meisten, die bei uns buchen, sind jedoch eher ältere Paare, die ihren Kindheitstraum, in den Bäumen zu wohnen, hier einmal nachholen.

Waldliebhaber.de: Planen Sie noch weitere Baumhäuser?

Soós-Schupfner: Nein, wir sind ein kleiner Betrieb, und das wollen wir auch bleiben. Das Besondere an uns ist ja gerade unsere überschaubare Größe, eine Art Hotelanlage würde nicht nur uns, sondern sicher auch unsere Besucher abschrecken (lacht).

Waldliebhaber.de: Herr Soós-Schupfner, wir danken für das Gespräch.

 

Das Gespräch führte Gudrun Opladen

Auf bald im Wald

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