BgBerwartst-VogelperspektivEs geschah - nein, nicht was Sie denken, nicht im Mittelalter, sondern - erst vor wenigen Tagen: Für Sekunden hielten die anderen Besucher und ich den Atem an. Feuchte, kühle Luft umgab uns und die Blicke waren fragend über den Brunnenrand gerichtet, tief ins unergründliche Dunkel hinein. Unser Fremdenführer auf der Burg Berwartstein, in mittelalterlicher Robe passend gewandet, hatte gerade einen Eimer mit Wasser in den Burgbrunnen geschüttet. Erst eine gefühlte ´kleine Ewigkeit´ später war dann das Prasseln des tief unten aufschlagenden Wassers zu hören. [Ein Erlebnisbericht von Thomas Kerscher, Herausgeber Waldliebhaber.de]

Wie tief ist der Brunnen?

BurgBerwartsteinKnappeBrunnUnser Burgknappe machte es uns allen nicht leicht: Wir sollten raten, wieviel Meter das Wasser denn nach unten genommen habe. Die Schätzungen der Besucher waren sehr unterschiedlich. Nur ein Junge war mit seiner Schätzuung gerade einmal vier Meter von der tatsächlichen Brunnentiefe entfernt. Falls Sie nun die Auflösung des Rätsels erwarten, muß ich Sie enttäuschen. Die Information zur wahren Tiefe des ganz in und durch den Sandsteinfelsen von Menschenhand gehauenen Brunnens müssen Sie sich selbst einholen: Durch einen eigenen Besuch auf der Burg Berwartstein.

Erinnerungen der Kindheit

Schon einmal zuvor hatte ich dieses kleine Spektakel erlebt. Vor mehr als vierzig Jahren war ich als Schüler mit meiner Schulklasse auf dieser sagenumwobenen Burg gewesen, das wusste ich noch. Ehrlich gesagt, konnte ich mich bis heute nicht einmal mehr an die genaue Silhouette der Festung erinnern. Jedoch das Erlebnis mit dem Brunnen hatte sich in meinem Kopf festgesetzt.

Wenn ein Ritter mal ´musste´

BurgBerwartsteinRüstungAuch beantwortete unser ´Knappe´ die Frage, wie ein in voller Rüstung bewehrter Ritter das ´Kleidungsproblem´ löste, wenn er mal austreten musste. Übrigens war das für den Ritter damals ein recht gefährliches Unterfangen. Und noch ein weiteres offenes Geheimnis, eine physikalische orientierte Frage, hält die Burg bereit: Wie konnten die Brunnenarbeiter den Brunnen in die Tiefe treiben, ohne darin aufgrund Sauerstoffmangels zu ersticken? Sie wissen es nicht!? Auch das erfahren Sie durch einen Besuch vor Ort! Die darauf folgende Führung durch die Burg war dann für alle Besucher, das konnte ich an den begeisterten, aber auch teilweise ungläubig dreinblickenden, Gesichtern von jung und alt erkennen, äussert fesselnd.

´Behandlungsmethoden´ Missliebiger

BurgBerwartsteinStreckbankWir besichtigten die Folterkammer, die viele nur erdenklichen ´Arbeitswerkzeuge´ der Folterknechte der vergangenen Jahrhunderte bereit hielt. Wie gut, daß es solche Folterwerkzeuge in unseren Breiten heute nicht mehr gibt, meinten einige der Besucher. Ich musste schmunzeln, denn ein Gedanke schoss mir dabei schlagartig in den Sinn: Ein ´Folterwerkzeug´, das es damals noch nicht gegeben hatte, ist für mich zur heutigen Zeit Segen und gleichzeitig Fluch, gar Folterwerkzeug, geworden. Welches Folterwerkzeug meine ich damit? (Auflösung am Ende des Artikels)

Uneinnehmbar

BurgBerwartsteinFassade2klZu besonderer Berühmtheit gelangte, so unser ´Knappe´, die seinen Worten nach uneinnehmbare Burg als Raubritterfeste unter Ritter Hans Trapp Ende des 15. Jahrhunderts. Nach vielen geschichtlichen und baulichen Informationen, die uns der ´Knappe´ bereit hielt und einem abschließenden Gang durch ein Kellergewölbe verließ ich das Gemäuer und konnte alle Informationen und Eindrücke bei einem kühlen Bier auf der romantische Felsenterrasse verarbeiten.

Bei schlechtem Wetter, das an diesem Tag glücklicherweise nicht herrschte, hätte ich in den historischen Rittersaal ausweichen können, bei Pfälzer Saumagen oder Flammkuchen. Zusätzlich bietet die Burgküche auch Kaffee und hausgemachten Kuchen.

Ein Besuch auf der von Familie Wadle geführten Burg Berwartstein im Wasgau (südlicher Pfälzerwald) ist meiner Meinung nach für Jung und Alt ein unvergessliches Erlebnis.


Thomas Kerscher, Herausgeber Waldliebhaber.de


Link zur Homepage der Burg Berwartstein

Informationen zur Burg Berwartstein:

  • Die Burg ist ganzjährig geöffnet, März bis Oktober täglich, November bis Februar samstags + sonntags (Burgführung und Gaststätte)
  • Täglich Burgführungen mit herrlichem Panoramablick
  • Gastronomie (durchgehend warme Küche) im historischen Rittersaal (130 Sitzplätze)
  • In den Sommermonaten romantische Felsterrasse (60 Sitzplätze)
  • Auf besonderen Wunsch stimmungsvoller Terrassenempfang mit Fackelführung durch die geheimnisvollen Gemäuer
  • Zwei Fremden-/Hotelzimmer


    (Auflösung des Rätsels betreffend der Frage nach dem heutigen ´Folterwerkzeug´: Das Handy)