Die Mistel besiedelt Laub- und Nadelbäume. Irgendwie mystisch, diese runden Nester zwischen den Ästen, schon lange bevor den Baum eine dichte Krone schmückt. Kein Wunder, dass die Mistel schon immer für Wirbel sorgte: Gefragt war sie als Glücksbringer, zur Abwehr von bösen Geistern und als Heilmittel. Asterix und Obelix machte sie als Zutat des Zaubertrunks sogar unbesiegbar. Was wir wirklich über die Mistel wissen.

Kennzeichen Halb-Schmarotzer: Die Mistel ist in Europa und Asien heimisch und gedeiht auf Laub- und Nadelbäumen. Was die Vertreter der Gattung Viscum so besonders macht, ist ihre Lebensweise. Misteln besitzen kein normales Wurzelgeflecht, mit dem sie Wasser und Salze aus der Erde beziehen. Sie sitzen auf Bäumen und bilden spezielle Saugwurzeln. Mit diesen dringen sie in die Bäume ein, zapfen deren Leitungsbahnen an und versorgen sich so mit Wasser und Salzen. Zucker steht nicht auf dem Speiseplan. Als Halb-Parasit betreibt die Mistel selbst Photosynthese und stellt so ihre eigenen Kohlenhydrate her. Dabei entnimmt sie dem Baum nur so viel Wasser und Salze, dass dieser nicht kaputt geht.

Früher Blüher, später reif: Die Fortpflanzung der Mistel ist nicht ganz so ungewöhnlich wie ihre Lebensweise. Sie bildet Blüten, die von Insekten bestäubt werden. Die befruchtete Blüte reift zur Beere, die von Vögeln gefuttert werden. Über den Kot werden die Samen verteilt. Anders als ihr Wirt blüht die Mistel bereits im März, wenn der Baum noch keine Blätter gebildet hat, und trägt die Beeren, wenn der Wirt seine Blätter bereits verloren hat. So wird sichergestellt, dass die Blüten und Beeren auch wahrgenommen werden.

Giftig versus gesund: Die Blüten und Beeren der Mistel sind giftig – genau wie alle anderen Pflanzenteile. In niedrigen Dosen wird die Mistel seit der Antike als Heilmittel gegen Schwindel und epileptische Anfälle eingesetzt. Auch in der modernen Naturheilkunde findet die Mistel Verwendung. Die Inhaltsstoffe werden für ihre blutdruckregulierenden Eigenschaften geschätzt. Zudem soll ein Protein unkontrolliertes Zellwachstum hemmen. Die Wirkung in der Therapie von Krebs ist allerdings umstritten.  

 

Redaktion und Foto: Julia Ehmer/Waldliebhaber.de