DeutschlandpilzSchwarz-Rot-Gold dominiert. Nicht nur Zeitungen und soziale Medien feiern seit Sonntag ihren Weltmeister, auch der Wald präsentiert sich vielerorts entzückt von den Leistungen der Deutschen Nationalmannschaft – mit flaggenähnlichen Gewächsen auf den Stämmen vieler Bäume. Doch: Die weltmeisterliche Idylle trügt. Das schmucke Deutschland-Accessoire schadet Fichte und Co. Ungenießbar ist es obendrein.

Verantwortlich für den schwarz-rot-goldenen Baumschmuck ist ein Pilz. Botaniker kennen ihn unter dem Namen „Rotrandiger Baumschwamm“, im Volksmund heißt er „Deutschlandpilz“. Am liebsten wächst der Pilz auf Fichtenstämmen. Aber auch Birken, Kiefern, Tannen, Erlen und Apfelbäume dienen als Wachstumsgrundlage.

Todesurteil und wertvoller Recycler

Für den Baum bleibt der Pilzschmuck nicht ohne Nebenwirkungen. Um den besiedelten Bereich kommt es zur sogenannten Braunfäule. Der Pilz zersetzt das Holz, der Stamm wird morsch. Die gute Nachricht: Der Deutschlandpilz gedeiht auch auf umgestürzten Bäumen und übernimmt im Wald so eine wichtige Aufgabe. Das von ihm – mit Hilfe von Bakterien – zu Humus verdaute Holz bildet den Nährboden für neues Pflanzenwachstum.

Einmal Fuß gefasst, lebt der Pilz für mehrere Jahre auf seinem Wirt. Dabei kann er bis zu 30 Zentimeter groß werden. Abhängig von seinem Alter verändert sich sein Aussehen. Je älter er wird, desto ähnlicher wird er der Deutschlandflagge. Die Farbringe markieren unterschiedliche Wachstumszonen.

Leider ungenießbar

Auch wenn wir Ihnen zum Abschluss gerne ein schmackhaftes Schwarz-Rot-Gold-Rezept aus dem Wald empfehlen würden: In den Kochtopf gehört der Rotrandige Baumschwamm nicht. Er wird zwar als nicht giftig beschrieben, jedoch als äußerst hart und zäh in der Konsistenz. Zudem soll er säuerlich riechen und bitter schmecken. Also bleibt der Deutschland-Schmuck am besten dort, wo er sich am wohlsten fühlt: im Wald.

Redaktion: Waldlieberhaber.de

Foto: Reinhard Strobl

Weiterführende Links:
Fleißige Helfer im Wald: Wie Pilze Totholz zersetzen
Darum riecht der Wald nach Wald