- Bärlauchfeld am WaldbodenViele Menschen zieht es in diesen Tagen nicht nur zum Spazieren in den Wald, sondern weil sie etwas ganz Bestimmtes suchen: frischen Bärlauch. Wer es auf die gesunden, knoblauchartig duftenden und schmeckenden Blätter des Bärlauch abgesehen hat, sollte allerdings zu seinem Schutz und zum Schutz des Waldes einige Regeln beachten. Auch der baden-württembergische Verbraucherminister Alexander Bonde hat den Sammlern jetzt zur Vorsicht geraten, denn die Blätter des Bärlauch können leicht mit denen anderer giftiger Pflanzen verwechselt werden.

Wann und wo finde ich den Bärlauch?

Die Erntezeit des Bärlauch dauert offiziell von März bis April. Doch je nachdem, wo man sammelt und wie der Winter verlaufen ist, kann man die ersten frischen und besonders würzig schmeckenden Blätter schon Anfang März finden – oder man muss noch bis Mitte oder Ende März warten. Die weissen, ebenfalls zum Verzehr geeigneten Blüten wachsen meistens im Lauf des Aprils heran. So schön die Pflanze dann auch ist, die Blätter der blühenden Pflanzen schmecken zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr so gut wie die der jungen Pflanze. Auch das Aussehen der Blätter verliert, sie werden unansehnlich und faserig. Wer also noch zur Blütezeit Bärlauch sammeln will, sollte besser nach Pflanzen Ausschau halten, die noch nicht angefangen haben zu blühen.

 - BarlauchstängelWer auf der Suche nach Bärlauch (Foto rechts) ist, sollte sein Glück vor allem in halbschattigen Laubwäldern, und falls möglich, in Auwäldern versuchen, denn dort wächst er besonders gerne. Der Bärlauch liebt feuchten, lockeren und humusreichen Boden, auch reichlich Kalk - Sandboden mag er nicht. Generell kommt er in Süddeutschland und im Alpenraum häufiger vor als in Norddeutschland. Wenn sich der Bärlauch erst einmal an einer Stelle angesiedelt hat, wächst er meistens in grossen Ansammlungen, je nachdem natürlich, wie es ihm die Fläche erlaubt. Unter Naturschutz steht der Bärlauch übrigens nicht, aber in Schleswig-Holstein und Brandenburg steht er auf der roten Liste gefährdeter Arten, weil er dort nur selten vorkommt – trotzdem ist auch dort das Sammeln nicht absolut verboten. Dennoch sollte man vom Bärlauch in diesen Gegenden, wenn überhaupt, dann nur sehr wenig entnehmen. In den ausgewiesenen Naturschutzgebieten steht er selbstverständlich wie alle anderen Pflanzen unter strengem Schutz und darf natürlich nicht gesammelt werden. Wer Bärlauch pflückt, sollte ihn stets in den grossen Beständen sammeln. Generell gilt: Immer nur ein bis zwei Blätter pro Pflanzengruppe ernten, Blätter abschneiden und nicht ausreissen (um die Zwiebel nicht zu schädigen) und die Pflanzen möglichst nicht zertrampeln.

Verwechslungsgefahr: Herbstzeitlose und Maiglöckchen

 - Herbstzeitlosen-StangelAm häufigsten wird der Bärlauch mit den hochgiftigen Blättern der Herbstzeitlose  (Foto links) und dem Maiglöckchen (Foto unten) verwechselt. Diese Unwissenheit kann dem botanischen Laien im schlimmsten Fall sogar das Leben kosten. Damit dies nicht passiert, gilt es, besonders auf die Stängel der Pflanzen zu achten, denn hier erkennt man am einfachsten die Unterschiede: Die Blätter des Bärlauch wachsen immer in einzelnen Stängeln aus dem Boden, meistens dicht in Gruppen zusammen. Maiglöckchen weisen dagegen zwei Blätter an einem Stängel auf, und bei der Herbstzeitlosen entwickeln sich Stängel umfassende Blätter, das heißt, die Blätter liegen anfangs eng am Stängel an und entfalten sich dann. Jeder, der Bärlauch sammelt, sollte auch unbedingt seine Nase zu Rate ziehen, denn nur beim Zerreiben von Bärlauchblättern ist der typische Knoblauchgeruch auch zu erschnuppern – allerdings funktioniert dies sicher nur beim ersten Mal, denn die Hände nehmen den Knoblauchgeruch schnell an.

- MaiglöckchenstängelFalls es ca. zwei bis sechs Stunden nach dem Verzehr der gesammelten Pflanzen dennoch zu Vergiftungserscheinungen wie Erbrechen, Krämpfen, akuten Kreislaufbeschwerden oder blutigem Durchfall kommen sollte, muss sofort ein Arzt aufgesucht werrden: Wahrscheinlich hat sich der Sammler dann mit den Blättern der Herbstzeitlose oder den Maiglöckchen vergiftet. Noch eine andere Gefahr droht den Bärlauchsammlern: der Fuchs, der den gefürchteten Kleinen Fuchsbandwurm verbreitet. Wild wachsender Bärlauch kann also leider auch mit dessen Eiern behaftet sein, und diese sterben erst bei Kochtemperaturen ab 60 Grad ab - rohe Bärlauchgerichte mit Blättern aus dem Wald sind daher mit Vorsicht zu genießen. Verbraucherminister Alexander Bonde rät: Wer auf sein Bärlauch-Pesto nicht verzichten will, sollte dafür keinen wild gesammelten Bärlauch verwenden.

Im Zweifel oder bei Notfällen steht die kostenfreie Vergiftungs-Informations-Zentrale (VIZ) Freiburg unter der Telefonnummer 07 61-1 92 40 rund um die Uhr zur Verfügung.

Gudrun Opladen

Auf bald im Wald

Ihre Redaktion von Waldliebhaber.de

 

Weitere Informationen unter:

www.bondesrat.de

www.baerlauch.die-heilpflanze.de