Die Eberesche wächst gerne an WaldrändernVogelbeeren sind erstens keine Beeren und zweitens nicht giftig – wussten Sie das? Der offizielle, deutsche Name der Vogelbeere lautet Eberesche (lat.: sorbus aucuparia). Sie gilt als Heilpflanze gegen vielerlei Leiden, schmeckt aber auch hervorragend als Marmelade und in flüssiger Form. Zu finden sind Ebereschen häufig an Waldrändern, auf Lichtungen und im Mittelgebirge. Im Laufe der Jahrhunderte hat sie sich eine Vielzahl von Psyeudonymen zugelegt. Tiere lieben die Vogelbeere als Nahrungsquelle. Und schon die alten Druiden pflanzten Ebereschen, um das Böse von bestimmten Orten fernzuhalten.

Hat man Ihnen in Ihrer Kindheit auch eingetrichtert, ja keine Vogelbeeren zu essen, da sie giftig seien? Im Volksglauben hat dieses Gerücht nach wie vor seine Gültigkeit. Hinter jeder Geschichte steckt jedoch ein wahrer Kern: Vogelbeeren können im rohen Zustand tatsächlich Bauchweh verursachen. Das liegt daran, dass sie Parasorbinsäure enthalten. Kocht man die Beeren, die eigentlich keine Beeren, sondern Kernobst (wie Äpfel) sind, wird die Parasorbinsäure in Sorbinsäure umgewandelt und diese ist in keinster Weise schädlich für den Menschen.

Eberesche als Naturapotheke

Die Früchte der Eberesche weisen einen hohen Vitamin-C-Gehalt auf und beinhalten dasVogelbeeren am Waldrand Provitamin A sowie Sorbit. Sorbit ist ein wichtiger Zuckerersatzstoff für Diabetiker. Heute gewinnt die Pharmaindustrie Sorbit allerdings nicht mehr aus der Vogelbeere, sondern im Labor. Naturheilkundler schwören darüber hinaus auf die Wirkung getrockneter Blätter und Blüten in Form von Tee gegen vielerlei Leiden wie etwa Verdauungsstörungen, Husten, Bronchitis, Magenverstimmung, Hämorrhoiden, Gicht und Rheuma. Auch Sänger setzen auf die Kraft der Eberesche: Die Früchte sollen Schleim von den Stimmbändern lösen und somit für eine klare Stimme sorgen. Gegen erhöhten Augeninnendruck (Glaukom) hilft eine Sorbit-Spritze, die von Medizinern verabreicht wird.

Vogelbeeren zum Verzehr

Die anspruchslose Eberesche kommt in ganz Mitteleuropa vorDie Früchte der Eberesche sind zum Verzehr geeignet. - mit Vorliebe in den Mittelgebirgen. In vielen Regionen entstanden daher verschiedene Produkte aus der Vogelbeere. Eigentlich sind die Früchte der Eberesche eher bitter – bedingt durch die Parasorbinsäure. Nach reichlich Frost jedoch ändert sich dies und der Geschmack wird leicht süßlich. Vor allem die Mährische Vogelbeere, deren Zuckergehalt höher als der anderer Sorten ist, eignet sich gut zum Verzehr. Im Bayerischen Wald und in Böhmen findet sie häufig Verwendung als Konfitüre. Auch zur Herstellung von Saft und Kompott wird die Mährische Vogelbeere hergenommen. In Österreich und Südrussland existieren weitere süßliche Vogelbeeer-Sorten. Im Fichtelgebirge gehören die Früchte der Eberesche zur Grundlage des Sechsämtertropfens. In Teilen Österreichs nutzen die Menschen sie zum Brennen des Edelbrands. Manche Kelterer in Hessen nehmen Vogelbeeren zur Herstellung von Apfelwein, manchmal auch von Vogelbeerwein. Vogelbeerlikör findet hohen Anklang im Erzgebirge.

Vogelbeeren – ein Genuss auch für Tiere

Insgesamt ernähren sich nachweislich 31 Säugetierarten und 72 Insektenarten von der Eberesche. 63 Vogelarten lieben die nach deren Geschmack benannten „Beeren“, die eigentlich kleine Äpfelchen sind. Grünspechte nisten im Geäst, währen sich Singdrossel, Rotkehlchen, Gimpel und Co. von den Früchten ernähren. Auch Dachs und Fuchs tragen durch ihren Speiseplan und die damit einhergehenden Ausscheidungen zur Verbreitung der Eberesche bei. Nager wie Hasel- und Feldmaus sammeln die Früchte als Wintervorrat. Weil sie sich nicht immer an ihre Verstecke erinnern, treiben die vergessenen Vogelbeeren unbehelligt zu neuen Bäumen aus. Durch das abfallende Laub wird Magnesium frei, wodurch die Eberesche zu einem wichtigen Humus- und daher Nährstoffliefereant für den umliegenden Boden wird. Die Eberesche wird übrigens nicht besonders alt. Ihre Lebensspanne beträgt zwischen 80 und 120 Jahre. Meistens werden die Bäume nicht höher als 15 Meter – freistehend, ohne Lichtkonkurrenten, schaffen sie es auf bis zu 25 Meter Höhe.

Eberesche – ein Baum mit vielen Namen

Da die Eberesche fast überall und schon immer vielseitige Verwendung durch Menschen fand, trägt das Gewächs entsprechend viele Namen. Meist sind die Bezeichnungen an bestimmte Regionen gebunden – als da wären: Vogelbeere, Queckenboom, Drosselbeere, Kronawetterbeere, Vogelbär, Ebschbeere, Zwergesche, Quetschen, Queckbeere, Quitsbeere, Quitschbeere, Eibschen, Blumenesche. Auf Vollständigkeit wird an dieser Stelle kein Anspruch erhoben.

Die Eberesche und die Mythologie

Die alten Germanen weihten die Eberesche ihrem Gott Thor. Bei den Kelten galt sie als Ebereschen sind deutschalndweit beliebt.Lebensbaum (neben Apfelbaum, Walnuss und Tanne). Diejenigen Kelten, die im Zeichen der Eberesche das Licht der Welt erblickten, galten als besonders lebensfreudig sowie anpassungsfähig. Zudem sagten die Kelten der Eberesche nach, sie stehe für das Wiedererwachen nach der kalten Winterzeit und als Schutz gegen Hexerei und Blitzeinschlag. Vogelbeeren verlängerten bei Verzehr laut gängigem Glauben das Leben um ein Jahr und Druiden nutzen Ebereschen, um böse Geister von bestimmten Orten fernzuhalten.

Haben Sie auch schon eine Portion Vogelbeeren verspeist?

 

Kathrin Sommer

Auf bald im Wald

Ihre Redaktion von Waldliebhaber.de