- Arbeit mit Rückepferden im Naturpark Teutoburger Wald/Eggegebirge „Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde“ - so ist der Begriff „Rückepferde“ nicht gemeint, wenngleich die Halter der Rückepferde diesem bekannten Spruch sicher auch zustimmen. Rückepferde sind ihrer Definition nach Arbeitspferde, die im Wald zum Holzrücken, das heißt zum Abschleppen gefällter Baumstämme, eingesetzt werden. Wie ihre Kollegen in der Landwirtschaft wurden sie Jahrhunderte lang als treue Arbeitspferde genutzt – bis sie nach und nach durch Maschinen ersetzt wurden. Doch die kräftigen und wendigen Tiere haben nie wirklich ausgedient, und werden vor dem Hintergrund einer modernen, naturnahen Waldbewirtschaftung wohl auch in Zukunft immer beliebter.

Rückepferde: Nachhaltig und modern

 - Arbeit mit Rückepferden im Naturpark Teutoburger Wald/EggegebirgeLange Zeit war die Arbeit mit den Rückepferden Standard in der Forstwirtschaft. Deren Mechanisierung führte aber mit der Zeit dazu, dass die natürlichen Rückeverfahren in vielen Wäldern verschwanden. Doch bald wurden auch die Nachteile des maschinellen Einsatzes offenbar: Gerade auf gering tragfähigen Böden kann er nämlich zu schweren und nachhaltigen Schäden führen. In Teilen des Thüringer Staatswalds, vor allem im dortigen Laubholzwald, hat man beispielsweise bis jetzt auf die Holzernte verzichtet, weil die Böden durch die milden Temperaturen noch zu weich für die schweren Erntefahrzeuge sind. Weniger Probleme macht der fehlende Frost hingegen beim Nadelholzeinschlag. Der grundlegende Nachteil beim Einsatz von Rückemaschinen ist jedoch in jedem Fall, dass bei ihnen meist große Rückegassen angelegt werden müssen. Diese Flächen stehen dann für lange Zeit nicht mehr für den Baumwuchs zur Verfügung, der Boden ist praktisch zerdrückt. Im Gegensatz dazu brauchen Rückepferde für den Abtransport des Holzes keine großen Rückegassen. Die Pfade, die bei ihrem Rücken entstehen, haben keine negativen Auswirkungen auf das Wald-Ökosystem, sie verpesten nicht die Luft, verlieren kein Öl, und auch die Bäume leiden kaum unter ihrem Einsatz – und genau hier liegen die wirtschaftlichen Vorteile der treuen Tiere: die Mehrkosten, die sie verursachen, werden durch die Vermeidung von Folgekosten in der Regel wieder aufgehoben.

Rückepferde: Auch in Zukunft unverzichtbar

 - Arbeit mit Rückepferden im Naturpark Teutoburger Wald/EggegebirgeObwohl die Vorteile auf der Hand liegen, wird der Einsatz von Rückepferden von den meisten Befürwortern nicht romantisch verklärt. Die wendigen Tiere werden vor allem dort eingesetzt, wo Maschinen nur schwer Zugang finden, zum Beispiel an steilen Berghängen. Dort werden sie in der Regel auch nicht komplett alleine eingesetzt, sondern ergänzen den nachfolgenden Einsatz von vollautomatischen Erntemaschinen, den Harvestern. Außerdem ist die Arbeit mit den Pferden kein Kinderspiel, sondern erfordert großes Geschick und die gute Mitarbeit des Pferdes. In einem Bericht aus dem Naturpark Teutoburger Wald/Eggegebirge (s.a. Fotos), kann man zum Beispiel erfahren, dass nicht jede Pferderasse für die Arbeit im Wald geeignet ist. Bei der Auflichtung der Nadelbestände am Ravensberg in der Wistinghausener Senne arbeitete Andreas Bornemann mit einem Schwarzwälder Kaltblut, einer alten Pferderasse, die speziell für die schwere Waldarbeit unter ungünstigen Bedingungen im Schwarzwald gezüchtet worden ist. Sein Kollege Bastian Brand arbeitete mit einem ebenso geeigneten Brabanter, den er wie sein Kollege selbst ausgebildet hat. Nach ihren Erfahrungen müssen die Tiere trittsicher sein und aufs Wort gehorchen, Mensch und Tier müssen ein Team bilden, sonst wird es gefährlich. Schwere Kaltblüter wie etwa auch die Noriker und Ardenner sind genau auf die Teamarbeit vorbereitet, denn sie wurden einst speziell für Zug- und landwirtschaftliche Arbeiten gezüchtet. Sie waren es auch, die die Postkutschen zogen – heute ziehen sie Planwagen und Kutschen für die Touristen, arbeiten manchmal, wenn auch selten wieder in der Landwirtschaft oder eben wieder häufiger im Wald. Vor allem in Waldgebieten, die eine große Bedeutung für die Naherholung haben, wirkt sich die Wahl der waldbaulichen Technik auch auf den Erholungswert des Waldes aus. Eine naturnahe Waldbewirtschaftung dürfte daher in vielen Bundesländern immer wichtiger für die Zukunft werden.

Gudrun Opladen

Auf bald im Wald

Ihre Redaktion von Waldliebhaber.de

 

Weitere Informationen bietet die "Interessengemeinschaft Zugpferde e.V.", ein gemeinnützig anerkannter Verein, der sich seit seiner Gründung 1992 nach eigenen Angaben konsequent für den verstärkten Einsatz tierischer Arbeitskraft in allen dafür in Frage kommenden Bereichen einsetzt.

Ziele der IGZ

aus: http://www.ig-zugpferde.de/

  • Naturschutz und Landschaftspflege im Sinne ökologischer Bearbeitung und Bewirtschaftung mit Zugtieren.
  • Entwicklung und Verwendung moderner tiergezogener Arbeitsgeräte.
  • Förderung der Bewahrung des wertvollen Kulturgutes, das die Zugtierverwendung und der noch vorhandene Erfahrungsschatz darstellen.
  • Tierschützerische Aspekte bezüglich Haltung, Ausbildung und Verwendung von Zugtieren.
  • Förderung der Zucht geeigneter Zugpferde und -tiere. Eine Zusammenarbeit mit den anerkannten Zuchtorganisationen wird angestrebt.
  • Aktive Förderung der Jugendlichen und Nachwuchskräfte. Ausbildung und Beziehung zur Arbeit mit Zugpferden wird durch geeignete Maßnahmen unterstützt.