- Bannwald Wilder See Seit heute hat auch das Land Baden-Württemberg endlich "seinen Nationalpark Schwarzwald“ und trotz teils erbitterter Widerstände ist der Park nun nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch beschlossene Sache. Mit ihm besitzt Deutschland jetzt seinen 15. Nationalpark, und ebenfalls einen seiner größten Waldnationalparke. Auf einer Gesamtfläche von rund 10 000 Hektar soll sich das neue Naturschutzgebiet im Nordschwarzwald im Laufe der nächsten 30 Jahre langsam, aber sicher zu einem „wilden Wald“ entwickeln, aufgeteilt auf zwei ausgesuchte Flächen – hier die Einzelheiten.

Die Gebietskulisse des neuen Nationalparks

 - Kulisse Nationalpark SchwarzwaldIn Baden-Württemberg erfüllten nur Teile des Nordschwarzwalds die Voraussetzungen zur Ausweisung eines Nationalparks. Gerade hier konnte die Region mit großen Wäldern, eiszeitlichen Seen und verwunschenen Mooren punkten, und nur hier gab es Flächen von besonderer naturschutzfachlicher Qualität, die groß genug waren, zusammen hingen, und die nicht durch Straßen zerschnitten waren - und die außerdem auch noch im Besitz des Landes waren. Die beiden Einzelbereiche des künftigen Nationalparks Schwarzwald (insgesamt 10.062 ha) ziehen sich entlang der Schwarzwaldhochstraße auf den Höhen zwischen Ochsenkopf/Plättig und Alexanderschanze/Ruhestein entlang und sind etwa 3,5 km voneinander getrennt. Der Naturschutzbund Baden-Württemberg weist auf seiner Seite darauf hin, wie klein ein solcher Nationalpark von mindestens 10.000 Hektar im Vergleich zu den üblichen Biosphärenreservaten (30.000 – 130.000 Hektar) oder Naturparken (oft über 300.000 Hektar) ist: der Nationalpark ist zumeist der kleinste. Zwei Drittel des künftigen Nationalpark Schwarzwald liegen außerdem oberhalb von 800 Metern mit ertragsschwächeren Wäldern, wodurch sich die Verluste bei der Holzgewinnung in Grenzen halten sollen - einer der wesentlichen Streitpunkte in der Diskussion um den Nationalpark.

Kern- und Pflegezone des Nationalparks

 - Jungwuchs aus Totholz Wie die anderen deutschen Nationalparks wird der Schwarzwälder Nationalpark frei zugänglich sein und keinen Eintritt kosten. Zwar gibt es bereits einige geschützte Gebiete wie Naturparke und Biosphärenreservate (oder -gebiete), aber im Unterschied zu diesen Gebieten bleibt der Naturschutz in einem Nationalpark immer das Maß aller Dinge. So wird der neue Nationalpark in eine große Kern- und kleinere Pflegezone unterteilt, wobei im Kernbereich „Natur pur“ ohne Bewirtschaftung (z.B. Bannwälder) angesagt ist, in der Pflegezone („Entwicklungsnationalpark“) noch extensiv bewirtschaftet werden darf, zum Beispiel auf den Bergheiden (= Grinden). So sollen etwa die regionaltypischen Grindenmoore, die durch die Beweidung erst entstanden sind, auch weiterhin beweidet werden, und auch der Borkenkäfer soll hier naturverträglich an seiner Ausbreitung gehindert werden. Wer das Schutzgebiet schon bald auf eigene Faust erkunden will, wird jedoch wahrscheinlich noch keine Hinweisschilder vorfinden – hier wie auch in anderen Dingen, die den zukünftigen Nationalpark betreffen, steht man aber bereits in enger Kooperation mit anderen Nationalparks wie etwa dem des Bayerischen Waldes.

Die zukünftige Organisation des Nationalparks

 - Auerhahn Die Führungsspitze für den neuen Nationalpark ist bereits aufgestellt: Der Biologe Wolfgang Schlund (52) und der Forstwirt Thomas Waldenspuhl (56) treten zum Jahresbeginn ihre Posten an der Spitze der Parkverwaltung an. Ihren Hauptsitz wird sie im Naturschutzzentrum Ruhestein haben, das 2016 bereits über 89 Personalstellen verfügen soll. Nach Angaben des Naturschutzzentrums wird es in Zukunft sicher ein neues, großes Besucherzentrum geben, bis dahin bleiben die bisherige Angebote und die Ausstellung im Naturschutzzentrum aber bestehen und werden in das Gesamtkonzept des Hauses integriert. Auch einen 24-köpfigen Nationalparkrat wird es in Zukunft geben: er wird aus Vertretern der Region und der Landesverwaltung bestehen und soll sich am 23. Januar konstituieren. Am 19. Dezember hatte der Landtag in seinem Nachtragshaushalt bereits eine Anschubfinanzierung für den Nationalpark in Höhe von 7,2 Millionen Euro bewilligt.

Die Vorgeschichte des Nationalparks

Alte Tanne im Bannwald/SchwarzwaldDie Idee eines Nationalparks im Nordschwarzwald war bereits Anfang der 1990er-Jahre durch das NABU-Institut in Bühl in die Diskussion gebracht worden. Die 2011 gewählte grün-rote Landesregierung Baden-Württembergs schrieb die Einrichtung eines Nationalparks in den Koalitionsvertrag. Ein wichtiger Schritt für das Projekt war ein unabhängiges Gutachten, das das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz gemeinsam mit den gewählten Vertretern der Region in Auftrag gab und in das nach Angaben des Ministeriums die Anregungen, das Wissen und die Erfahrungen der Menschen aus der Region eingeflossen sind. Nicht nur die Verbände, sondern alle Bürger hatten über die neue Online-Beteiligungsplattform der Landesregierung zwei Monate lang die Möglichkeit, den Gesetzentwurf zu kommentieren und sich mit Anregungen einzubringen. In dem Gutachten wurden dann die geplante Gebietskulisse, der Rechtsrahmen und die Verwaltungsstruktur des Nationalparks geregelt, unter anderem die paritätische Mitbestimmung der Region im Nationalparkrat, der Bestandsschutz bestehender Einrichtungen innerhalb der Gebietskulisse und das Borkenkäfermanagement. Auf der Grundlage des Gutachtens stimmte der Landtag Ende November 2013 dem von der grün-roten Landesregierung eingebrachten, vor Ort teils heftig umstrittenen Gesetzentwurf zu seiner Ausweisung dann schließlich zu. Mit ihm, so hoffen Landesregierung und Befürworter des Park, wird im Schwarzwald zukünftig nicht nur ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt geleistet, sondern auch der Tourismus und die Wirtschaft weiter angekurbelt.

Kommt bald auch ein neuer „Nationalpark Hunsrück“?

Nach einem Bericht des Online-Magazins „klimaretter.de“ rückt auch der geplante „Nationalpark Hunsrück“ (oder „Nationalpark Hochwald/Idarwald“) in konkrete Nähe. So soll das Gesetzgebungsverfahren für den grenzüberschreitenden Nationalpark Hunsrück in Rheinland-Pfalz und im Saarland im neuen Jahr beginnen. Die Einrichtung des Schutzgebiets war nach Angaben des Magazins von 80 Prozent der Kommunen auf rheinland-pfälzischer Seite und 100 Prozent auf saarländischer Seite befürwortet worden. Der Nationalpark soll voraussichtlich 2015 eröffnet werden und sich über ein Gebiet von 101 Quadratkilometern erstrecken, 92 davon in Rheinland-Pfalz, neun im Saarland. Bei seiner Verwirklichung wäre er der erste Nationalpark in den Ländern Rheinland-Pfalz und Saarland – und kein deutsches Flächenland stünde dann mehr ohne eigenen Nationalpark da.

Gudrun Opladen

Auf bald im Wald

Ihre Redaktion von Waldliebhaber.de

 

Neue Nationalpark-Seite:

www.schwarzwald-nationalpark.de

Seite des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg: http://www.nordschwarzwald-nationalpark.de

Seite des Naturschutzzentrum Ruhestein im Nordschwarzwald:

http://www.naturschutz.landbw.de/servlet/is/90101/

Seite des NABU-Bundesverbandes:

http://www.nationalparknordschwarzwald.de/wb/pages/aktuelles.php

Freundeskreis Nationalpark Schwarzwald: www.pro-nationalpark-schwarzwald.de

Seite der Nationalpark-Gegner: http://www.unser-nordschwarzwald.de/tag/interessengemeinschaft/