- 2013: Der Tornado hinterlässt ein Bild der Verwüstung in einem großen Waldstück der bayerischen Stadt NeusäßSie heißen Wiebke, Lothar, Kyrill, Xaver oder Niklas und sie alle haben eines gemeinsam: Sie sind Stürme mit verheerenden Auswirkungen. Diese sogenannten „Starkwindereignisse“, wie Stürme meteorologisch definiert werden, drohen in Deutschland vor allem im Herbst und im Winter. Das kommt daher, weil in der kälteren Jahreszeit die Temperaturunterschiede zwischen der Polarregion und dem Süden besonders groß sind. Wenn Luftmassen aus diesen unterschiedlich temperierten Gebieten aufeinandertreffen, dann kommt es zu starken Winterstürmen.

Das Orkantief „Lothar“ hat Deutschland beispielsweise am 26. Dezember 1999 aus der Weihnachtsstille gerissen. „Wiebke“ wütete in der Nacht vom 28. Februar auf den 1. März 1990. Kyrill beeinträchtigte im Januar 2007 das öffentliche Leben in weiten Teilen Europas. Aber auch in den Sommermonaten sind wir vor extremen Wetterverhältnissen nicht sicher, wie der Tornado am 20. Juni 2013 gezeigt hat. Er hat in vielen Wäldern in und um die bayerischen Städte Neusäß, Diedorf und Stadtbergen schlimmste Verwüstungen angerichtet.

Tornado im Sommer 2013: Der Wirbelsturm zerstört große Waldstücke

 - 20. Juni 2013: Diese Aufnahme entstand kurz nach der SturmattackeAm 20. Juni 2013 hatte sich in der bayerischen Stadt Neusäß jeder auf ein starkes Sommergewitter eingestellt. Was dann aber tatsächlich an diesem hochsommerlichen Tag mit Temperaturen über 35 Grad über die Region hereinbrach, war alles andere als ein übliches Sommergewitter: „Aus meiner Sicht war das ein tornadoähnlicher Gewittersturm, der mit mindestens 130 Stundenkilometern durch Neusäß fegte“, sagt Klaus Hager. Er ist ehemaliger Leiter der "Geophysikalischen Beratungsstelle des Jagdbombergeschwaders 32" und Mitglied mehrerer nationaler und internationaler meteorologischer Gesellschaften. Den Gewittersturm hat er aus nächster Nähe miterlebt. Er wohnt nämlich direkt neben dem zerstörten Waldstück. „Der Kobelwald sah aus, als hätte jemand mit großer Hand hineingelangt und alles verwirbelt“, beschreibt Hager seinen Eindruck nach der  - Der Meteorologe Klaus Hager an seiner Wetterhütte Sturmattacke. Vor dem Sturm war der beliebte Forst ein gut strukturierter, stufig aufgebauter Mischwald. Viele seiner Bäume waren über 20 Meter hoch. Der Sturm hat ein Bild der Verwüstung hinterlassen: „Die Bäume waren wie in sich gedreht, die meisten lagen wie Mikadostäbchen übereinander. Auch die Knickspuren an den Bäumen deuten auf eine Drehbewegung hin.“ Hager spricht  - Bäume wurden bei einer Windstärke von mindestens 130 Stundenkilometern in sich gedreht und abgeknicktaus seiner 50-jährigen Erfahrung als Meteorologe. 1955 hat er mit der Meteorologie angefangen. In dieser langen Zeit konnte er beobachten, dass es alle 10 Jahr zu einem extremen Sommergewitter kommt. Einen solchen Wirbelsturm wie am 20. Juni 2013 hat aber auch er noch nicht erlebt.

Extrem windig: Uralte Bäume werden in kurzer Zeit zerstört

 - Hartmut Dauner, Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Region Augsburg e.V. und Leiter des Fürstlich und Gräflich Fugger'schen Stiftungsforstamtes und der Forstverwaltung der Stadt AugsburgDer Tornado im Juni hat kaum eine halbe Stunde lang gewütet. In dieser kurzen Zeit hat er zum Teil 160-jährige Eichen entwurzelt. Die Schäden sind noch immer sichtbar, auch wenn inzwischen kräftig aufgeräumt wurde. Hartmut Dauner spricht von 4.500 Festmetern Holz, die nach dem Wirbelsturm angefallen sind. 60 bis 70 Prozent des beliebten Waldes wurden zerstört. Riesige Bäume lagen kreuz und quer auf den Straßen, in Gärten und auf Hausdächern. Dauner ist Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Region Augsburg e.V. und Leiter des Fürstlich und Gräflich Fugger’schen Stiftungsforstamtes und der Forstverwaltung der Stadt Augsburg. Jetzt plant er die Zukunft des Kobelwaldes und berücksichtigt dabei auch die Windstabilität bestimmter Baumarten: „Weißtannen und Eichen gehören zu den Tiefwurzlern und gelten deswegen als besonders stabil“, so der Leitende Forstdirektor.  - Dieser Weg war bis zum 20. Juni 2013 ein beliebter Waldweg. Beliebt ist er zwar immer noch, zum Waldweg wird er aber erst wieder, wenn hier im Frühjahr 2014 rund 75.000 junge Bäumchen und Sträucher geplanzt werdenAls sehr windfest hätten sich auch Douglasien und Lärchen erwiesen. „Winterstabile Bäume, wie beispielsweise die Eiche, können im Sommer, wenn sie Laub tragen, an Stabilität verlieren. Vor allem, wenn ihr Laub nass ist vom Regen und sie dann von starken Winden angegriffen werden“, erklärt Hartmut Dauner das Problem. „Wenn Winde in dieser hohen Windstärke kommen, dann gibt es auch für stabile Bäume kein Halten mehr.“

Tornados: Wie sie entstehen und warum sie sich nicht immer voraussagen lassen

 - Überraschender Wirbelsturm mit verheerenden Folgen: Nicht immer lässt sich ein Tornado voraussagenGrundsätzlich bilden sich die gefürchteten Wirbelstürme immer dann, wenn feuchtwarme Luft auf trockene Kaltluft trifft. Wie oft sich diese extremen Wetterereignisse in Zukunft auch bei uns wiederholen werden und wie stark unsere Wälder davon in Mitleidenschaft gezogen werden, das lässt sich auch von Meteorologen schlecht vorraussagen. Die Entstehung von Tornados ist ein sehr komplexes Thema. In Deutschland entstehen sie hauptsächlich in der sommerlichen Gewittersais- Entwurzelt: Tornadoähnliche Stürme bringen alte Baumriesen zu Fallon. Dabei ist ihre horizontale Ausdehnung oft so klein, dass sie vom Wetterradar und vom Satelliten so nicht erkannt werden können. Trotzdem hat Klaus Hager in seiner langen Meteorologen-Laufbahn eine Gesetzmäßigkeit herausgefunden: Die schlimmsten Gewitterstürme kommen fast immer aus Süden.

Kobelwald in Neusäß: Ein Neubeginn im Frühling

 - Dieses Waldstück bei Augsburg hat der Tornado verschontIn Neusäß freut man sich jedenfalls schon jetzt auf den Frühling 2014, denn dann wird der Kobelwald neu angelegt. Hartmut Dauner gibt schon jetzt einen kleinen Vorgeschmack: „Es wird auf jeden Fall kein ‚Fichtenacker‘ werden, sondern ein Mischwald. Kleinflächige Strukturen sind vorgesehen, alle paar hundert Quadratmeter etwas anderes. Douglasien könnten zusammen mit Buchen gepflanzt werden und auch parkähnliche Elemente können im neuen Kobelwald mit dabei sein.“ Soviel steht jetzt schon fest: Es wird wieder ein schöner Wald werden, auch wenn er noch lange wachsen muss, um sich mit dem alten Kobelwald messen zu können. Auch die alten Eichen wird mancher noch lange vermissen. In einer weiteren Sache sind sich der Leitende Forstdirektor und der Meteorologe einig: Einen wirklichen Schutz vor außergewöhnlichen „Starkwindereignissen“ wird es auch für diesen Wald in Zukunft leider nicht geben.

 

Auf bald im Wald

Ihre Redaktion von Waldliebhaber.de

 

So schützen Sie sich selbst: Ab 100 Stundenkilometern wird es extrem gefährlich

Geht man nach der Windstärken-Tabelle (www.weather 365.net) dann werden Winde, die mit Geschwindigkeiten ab ca. 80 Stundenkilometern daherkommen, als schwere Stürme bezeichnet. Bei dieser Windstärke brechen Äste von Bäumen, die Autofahrer oder Fußgänger gefährden. Ab einer Windstärke von ca. 100 Stundenkilometern spricht man von orkanartigen Stürmen, bzw. Orkanen. Ab dieser Windstärke kommt es zu schweren Sturmschäden, in Wäldern kommt es zu großflächigem Windbruch. Das „Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe“ (BBK) empfiehlt in diesem Fall: „Vermeiden Sie unmittelbar nach schweren Stürmen Spaziergänge in Wäldern oder Baumgrundstücken, da noch längere Zeit nach schweren Stürmen Ästen oder ganze Bäume, die schwer geschädigt wurden, abbrechen oder umstürzen können. Gehen Sie erst wieder in die Wälder, wenn Forstverwaltungen Entwarnung gegeben haben […]“

Weitere Informationen finden Sie unter:

http://www.bbk.bund.de/DE/Ratgeber/Handeln_in_Katastrophen/Unwetter/unwetter.html

http://www.dwd.de/

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