Manchmal ein wenig unheimlich, aber auch wunderbar geheimnisvoll: der Wald.Es modert und duftet, es raschelt und knackt, es schleicht und huscht. Die vielen Sinneseindrücke im Wald sind die ideale Kulisse für Mythen und Legenden. Vor allem in der Dämmerung oder im Dunkeln, wenn sich die Schatten von Büschen und Bäumen plötzlich in gespenstische Erscheinungen verwandeln. Warum das so ist? Eine Spurensuche.

Eine mögliche Antwort für eine erhöhte Vorstellungkraft, wenn es in den Wald geht: Unser Gehirn schaltet, sobald es die Komfortzone der hellen, warmen Wohnstube verlässt, automatisch auf Alarmstufe. Denn: Hinter jedem Baum könnte eine Gefahr lauern. Egal ob das der Feind oder ein Raubtier ist. Auf dem freien Feld würden wir die beiden viel eher entdecken als im Dickicht des Waldes. Die Sinne sind also instinktiv geschärft für jedes Rascheln und jedes Huschen.

Damit wir in ein Geräusch oder eine Bewegung etwas hinein interpretieren, braucht es allerdings ein bisschen mehr als die bloße Wahrnehmung. Aus einem Reh, das auf einer Lichtung grast, dichtet keiner einen Waldgeist. Anders bei einem undefinierbaren Schatten, der von Baum zu Baum huscht. Genau das, was wir nicht erklären können, macht unsere Gedanken erfinderisch. Und wenn die Gedanken dann weitererzählt werden, kommt bei jeder Version noch ein schmuckes Detail dazu. Was schön ist. Denn genau diese Mythen und Legenden machen unseren Wald noch geheimnisvoller als er ohnehin schon ist. Fürchten braucht sich allerdings keiner. Sehr wahrscheinlich steckte hinter dem Schatten auch nur ein scheues Reh.

 

Julia Ehmer, Redaktion Waldliebhaber.de
Foto: Waldliebhaber.de

 

Literaturtipps: Mythos Wald zum Nachlesen und Nachwandern

  • Der Wald in Mythen, Märchen und Erzählungen von Timur Schlender
  • Mystische Pfade im Schwarzwald von Lars und Annette Freudenthal
  • Der halbwilde Wald, Nationalpark Bayerischer Wald: Geschichte und Geschichten von Herbert Pöhnl